DIE BUBEN UND ICH... [ZUR STARTSEITE]
ASP in Belgien, Gent, Invitation-Festival. So war's 'wirklich' - Ein Erlebnisbericht von Tossi.
7:30 - Treffen am Bunker, Einladen des Equipments, Kaffee und Kümmerling am Kiosk besorgen.
9:30 - Einigung darüber, was wieder aus dem Bus muss, damit wichtigere Dinge Platz haben. Max darf wieder rein und die Gummipuppe wird entlüftet. Erstmal eine rauchen.
9:36 - Jetzt geht jeder nochmal auf's Klo und wir reiten los.
9:38 - Ich habe vergessen, auf's Klo zu gehen und begründe den Wunsch, an der nächsten Tanke zu halten, mit meiner Nikotinsucht.
10:01 - Max fragt, wo wir eigentlich hinmüssen. Da keiner so genau bescheid weiß, entscheiden wir uns, das Invitation Festival in Gent/Belgien zu besuchen, was sich später als absoluter Glückstreffer erweist.
10:02 - Schweigendes Reisen im gemütlichen 9-Sitzer.
10:30 - Erste Fachsimpeleien über Motorleistung, Verbrauch und Laderaum des Mietfahrzeuges. "Warum nehmen wir den eigentlich nicht jedesmal?"
11:12 - Pinkel- und Rauchpause. Himmi beschwert sich, dass ich nur einen Kümmerling habe, jedoch bin ich bereit zu teilen.


11:26 - Weiterfahrt. Tony erzählt die üblichen Geschichten und alle tun so, als hörten sie diese zum ersten mal.
12:30 - Brita schlägt vor, den Genter Altar zu besichtigen. Aus Erfahrung klug geworden huscht ein müdes Lächeln über mein Gesicht.
12:42 - Pinkel- und Rauchpause.
13:08 - Tony erzählt die üblichen Geschichten und alle tun so, als hörten sie diese zum ersten mal.
13:17 - Brita schlägt vor, den Genter Altar zu besichtigen. Aus Erfahrung klug geworden huscht ein weiteres müdes Lächeln über mein Gesicht.
13:30 - Holland. Holland? Holger schläft. Ich ärgere mich, keinen Kümmerling mehr dabei zu haben und halte seine Hand in warmes Wasser, welches mitzunehmen fast wegen mangelnden Platzes gescheitert wäre.
14:00 - Belgien. Aha. Wir sind also grob richtig. Max telefoniert. Ich lege einen zusätzlichen Gurt an.
14:30 - Gent. Wo ist das Hotel? Da drüben. Direkt an der Ausfahrt. Das ist ja bis jetzt alles gut gegangen. Der Belgier an der Rezeption weiß, wer wir sind und ist auch bereit, uns mehrere Zimmer zur Miete zu überlassen.
14:45 - Nach mehreren Telefonaten ist eben jener Belgier davon überzeugt, dass der Veranstalter die Kosten für die Übernachtung trägt. Wir versorgen noch schnell seine kleinen Blessuren und suchen unsere Zimmer.
14:55 - Meine in perfektem Französisch vorgetragene Bitte, uns unser Zimmer zu zeigen, quittieren die beiden Zimmermädchen mit freundlichem aber bestimmtem Schulterzucken. Schließlich erklären sie in perfektem Deutsch, dass wir einen kleinen Durchgang passieren und danach rechts entlang gehen sollten. Aha, unser Zimmer.
15:00 - Ich schalte den Heizstrahler im Bad ein und drücke mehrfach erneut, um ihn wieder auszuschalten. Der Leitfaden erklärt mir dann, dass dieser mit einer Zeitschaltuhr versehen ist und sich nach 7 Minuten selbsttätig ausschaltet.
15:15 - Ich frage mich, was ich eigentlich hier tue...
15:26 - Da ich keine Antwort bekomme, gucke ich eine deutsche Serie in französischer Synchro und entscheide mich dafür, die weitere Kommunikation in diesem Landstrich auf englisch zu vollziehen.
15:30 - Treffen in der Hotelbar. Oh, hier gibt's Bier. Na gut. Eins.
15:40 - In der blauäugigen Annahme innerhalb von 20 Minuten die Halle zu erreichen, machen wir uns auf den Weg zum Sportpaleis. Keiner weiß genau, wo das sein soll, und die mitgebrachten Karten stürzen uns in zusätzliche Verwirrung.
16:00 - Max hat die Schnauze voll von belgischen Verkehrsregeln. Wir überqueren alle kreuzenden Hindernisse wie Bahnschienen, Radwege und Schulkinder in unerlaubter Richtung. Ein telefonierender Belgier will uns nicht in seine Spur lassen, muss aber vor Max' furchteinflößendem Äußeren kapitulieren. War leider die falsche Spur.
16:30 - Sowohl auf englisch als auch französisch gehaltene Fragen nach dem Weg provozieren bei den Einheimischen Kopfnicken, -schütteln und -schmerzen. Wir fragen uns, ob wir in der richtigen Stadt sind. Eine Gruppe Studenten erklärt endlich auf flämisch irgendwas mit einem Park, einem Museum und Drumherumfahren.
16:40 - Der Bus steht da, wo er soll. Wir bekommen Backstagepässe und man zeigt uns den Backstage-Bereich und unsere Garderobe. hüstel!
17:00 - Matze und ich stimmen unsere Instrumente und entscheiden uns dafür, ein Bierchen trinken zu gehen - zur Auflockerung.
17:15 - Erste Kontaktaufnahme mit der Local-Crew. Wir laden den Bus aus. Matze und ich trinken ein Bierchen. Asp, Himmi und Holger auch. Max trinkt ein Weinchen.
18:00 - Bierchen.
18:10 - Umbaupause. Ich bin glücklich. Die Techniker scheinen, Englisch zu verstehen - vergessen allerdings, meinen Verstärker anzuschließen. Ich gehe ein Bierchen trinken.
18:30 - ASP spielen ihr Set. Ich fand den Bühnensound gut. Was ich nicht fand, war der Karton mit den gefüllten Bierbechern, der, wie ich nach mehrmaligem Nachfragen erfuhr, für uns bestimmt war. Ich beschloß also, die 'KBVSS' nicht mitzuspielen, sondern der netten Backline-Frau klarzumachen, dass ich Durst habe.
19:30 - Konzert beendet. Wir nahmen uns vor, nicht länger als nötig zu verweilen und lieber im Hotel an der Bar den Abend ausklingen zu lassen.


19:40 - Alle außer Max trinken erstmal ein Bierchen. Max: Weinchen. Himmi stellt fest, dass auch die Spirituosen für umme sind und wir genehmigen uns verschiedene Farben Wodkas.
20:00 - Das mit der Abrechnung scheint sich hinzuziehen. Wir werden wohl noch etwas warten müssen, bevor wir ins Hotel können. Um die Wartezeit zu verkürzen, trinken wir erstmal was.
21:00 - Die Gage kann wegen kleinerer Ungereimtheiten nicht ausgezahlt werden. Wir beschließen zu warten.
22:00 - Tourleiter Tony ist außer Betrieb. Seinen wimmernden Artikulationsversuchen, können Max und Matze mit viel Mühe entnehmen, dass wir kein Geld kriegen sollten. Auf den Schreck trinken wir erstmal was und Matze beschließt, das mit der Bezahlung selbst in die Hand zu nehmen.
22:05 - Max verkündet unter unseren verstörten Blicken, er habe jemanden gefunden, der uns nachher zum Hotel fahren würde. Dann verschwindet er mit Matze in den Katakomben, um sich auf die Suche nach dem Büro zu machen.
22:10 - Holger macht sich über die Reste des Caterings her. Wir machen uns Sorgen.
22:30 - Brita macht den zaghaften Versuch, das Thema 'Genter Altar' zur Sprache zu bringen. Tony spricht plötzlich die Sprache der Erdmännchen. Seine letzten verständlichen Worte: 'Veranstalter', 'Feuerwehr', 'kann nicht mehr'.
22:47 - Unerträglicher Schluckauf setzt mich außer Gefecht. Nach einem RedBullWodka geht's wieder und ich zerstöre Holgers Putenschnitzel mit den Worten 'dknsstdnnxdgnzzaitssn'. So langsam werd ich sauer. Ich bin müde und will nach Hause. Claudia holt mir ein Bier, da der Thekenbedienstete nicht versteht, was ich von ihm will. Obwohl ich's diesmal auf flämisch probiert habe.
22:53 - Wir sind die letzten, die noch hier rumsitzen. Andere Bands haben, bepackt mit dicken Geldkoffern, die Örtlichkeit teilweise schon seit Stunden verlassen.
23:30 - Asp und ich sind davon überzeugt, dass Matze und Max vom Veranstalter getötet worden sind. Entrüstet machen wir uns auf die Suche, sind aber von der Umgebung so verwirrt, dass wir beschließen die Polizei zu rufen und uns wieder nach backstage begeben. Der Sicherheitsdienst will mich nicht durchlassen, weil ich meinen Pass nicht mehr habe.
23:38 - Wir gehen nicht, bevor wir unser Geld haben. Erste Gerüchte vom Aufmarsch der belgischen Elitetruppen zwingen uns an die Bar.
23:43 - Nur zögerlich unterbreche ich den kleinen Schwatz zwischen Himmi und den Bediensteten, um ein 'fucking-scheiß-beer' zu bekommen. Wenn mir jetzt einer blöd kommt...
23:55 - Tony ist tot. Glaube ich jedenfalls und ertränke meinen Kummer darüber in einem Glas Wodka. Irgendwelche dunklen Gestalten haben inzwischen den Bus beladen.
00:03 - Matze und Max leben. Hurra! Und sie haben tatsächlich unser Geld. Immer noch betrübt über Tonys Scheiden, hole ich mir ein Getränk für die Fahrt. Eine Abstimmung unter den noch Lebenden ergibt, dass wir es keinesfalls schaffen werden, den Genter Altar zu besichtigen.
00:25 - Wer sind die Leute neben mir? Was ist das für ein Bus, in dem ich sitze? Wo ist mein Teddy? Und warum kreisen die Hubschrauber mit Suchscheinwerfern über uns? Ich werde verfolgt. Ganz sicher.
00:34 - Jemand entdeckt eine Pommes-Bude. Himmi öffnet - ungeachtet der Tatsache, dass wir noch gar nicht gehalten haben - die Tür und kann gerade noch von Claudia vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Bei dem waghalsigen Versuch, Holger festzuhalten, schüttet sich Matze ein Bier über die Hose.
00:40 - Pommes. Ich bestaune die beiden süßen Mädels hinter der Burger-Theke und reiche die fertigen Tabletts an die Tische. Himmi nutzt die Gelegenheit, meine Bestellung sowohl entgegen- als auch in sich aufzunehmen. Ich drohe mit Liebesentzug. Max besorgt mir noch einen Cheeseburger. Ich verspreche, ihn zu heiraten.


00:55 - Tonys Kopf ist auf die Hupe gesunken. Ich gehe hinaus und unter Tränen rücke ich ihn wieder zurecht. Der internationalen Eingreiftruppe versichere ich in allen mir bekannten Sprachen, dass weder er noch ich der Fahrer des Wagens sind und verbringe die nächste Stunde in einer mobilen Vernehmungszelle. Claudia, die Gute befreit mich.
01:32 - Ich glaube, wir sind im Hotel. Ich lege mich auf etwas bettartiges und versuche zu schlafen. Beim Versuch, im Schlaf unseren Tony zu retten, falle ich mehrmals zwischen die beiden Einzelbetten und kann hören, wie Himmi sich verzweifelt gegen die in seinem doppelt verbuchten Zimmer bereits anwesenden Mitglieder einer nicht näher benannten Band zu wehren versucht.
02:04 - Himmi und ein übrig gebliebenes, als Zimmerpartner toleriertes Mitglied dieser Band werfen 2 Personen aus dem dreifach belegten Hotelzimmer.
02:30 - Ich beschließe, auf dem Boden weiterzuschlafen und werde um...
10:12 - ...von lautem Stimmengewirr geweckt. Himmi hat den Hotelier mit dem Kopf in die Pferdetränke gedrückt und versucht, ihm möglichst unmissverständlich klar zu machen, dass die vierfache Belegung eines Zimmers nicht akzeptabel sei. Weiterhin beklagt er den Verlust eines wertvollen Gegenstandes. Dieser wird ihm jedoch wenig später ausgehändigt und am Ende bleibt nur ein fehlender Schuh.
So oder so ähnlich hat sich also unsere kleine Klassenfahrt zugetragen. Ich danke für die Aufdringlichkeit.